Camper-Dämmung kostet erst Zentimeter, dann Euro
· 7 Min. Lesezeit
Dämm-Ratgeber streiten über Materialien, als wäre der Van unendlich groß. Ist er nicht. Jeder Millimeter Dämmung geht innen ab, zweimal pro Achse — und das Budget ist brutal klein: 25 mm pro Wand machen aus den 1,87 m Innenbreite eines Fiat Ducato 1,82 m — 4 cm weniger, als eine 1,86-m-Standardmatratze braucht. Beim einzigen großen Van, in den ein Querbett passt, sind Dämm-Entscheidung und Bett-Entscheidung dieselbe Entscheidung.
Bevor du also Wärmewerte vergleichst, entscheide, was dir die Zentimeter wert sind. Dieser Ratgeber rechnet beide Seiten des Tauschs.
Die zwei Gleichungen
Breite: Innenbreite − 2 × (Dämmung + Verkleidung) = Querbett-Budget. Verkleidung sind 3–6 mm Sperrholz oder Filz; mit 25 mm Dämmung verlierst du insgesamt ~6 cm Breite. Ein Ducato fällt unter die Matratzen-Linie; ein Crafter (1,83 m) oder Daily (1,80 m), der ohnehin Radkasten-Verbreiterungen brauchte, braucht sie weiter. Die Breiten aller Vans stehen im Maße-Vergleich.
Höhe: Boden (20 mm Dämmung + 12 mm Ply ≈ 3,5 cm) + Decke (25 mm + Verkleidung ≈ 3 cm) ≈ 6–7 cm Stehhöhe. Das ist der Unterschied zwischen Stehen und Bücken für jeden, dessen Körpergröße näher als 7 cm an der Roh-Innenhöhe seines Vans liegt.
Wärme pro Zentimeter
Dämmwirkung ist Dicke ÷ Lambda (Wärmeleitfähigkeit, W/mK — niedriger ist besser). Richtwerte aus Hersteller-Datenblättern:
| Material | λ (W/mK) | Typischer Einbau | Für 25 mm PIR-Wirkung nötig |
|---|---|---|---|
| PIR/PUR-Platte | ~0,022–0,028 | 20–30 mm Boden, ebene Wandfelder | 25 mm (Basis) |
| XPS-Platte | ~0,032–0,038 | 20–30 mm Boden | ~35 mm |
| Elastomerschaum (Armaflex-Typ) | ~0,033–0,040 | 19–25 mm geklebt auf Wand/Decke | ~35–40 mm |
| Schafwolle | ~0,035–0,045 | 50 mm in Holm-Hohlräumen | ~40–45 mm |
| Polyestervlies (Thinsulate-Typ) | ~0,040–0,045 | 40–50 mm in Hohlräumen | ~45 mm |
Lies die letzte Spalte als Platzpreis. Platten kaufen die meiste Wärme pro Zentimeter, passen aber nur auf ebene Felder; flexibler Schaum folgt den Rundungen des Vans mit ~40 % Dicken-Aufschlag; Wolle und Vlies sind Hohlraum-Füller — sie belegen überwiegend Platz, den die Holme ohnehin gestohlen haben. Deshalb ist Hohlraum-Dämmung in Zentimetern fast gratis, und deshalb kombinieren die meisten Ausbauten sie mit einer dünnen durchgehenden Schaumschicht über den Holmen.
Wo die Zentimeter zählen — und wo nicht
- Dach: großzügig dämmen. Warme Luft steht unter der Decke, das Dach trägt die größte Temperaturdifferenz — und Stehhöhe brauchst du nur über dem Gang. Über Bett und Küche kosten 25 mm nichts, was du nutzt.
- Wände auf Matratzenhöhe: doppelt zählen. Das ist die Querbett-Zone. Wenn das Querbett der Plan ist, ist dünner Hochleistungsschaum hier (oder nur Hohlraum) die richtige Wahl — auch wenn der Rest der Wand mehr bekommt.
- Boden: Komfort, nicht Physik. Die Temperaturdifferenz durch den Boden ist die kleinste im Van; 20 mm kaufen vor allem warme Füße. Ist die Stehhöhe knapp, wird zuerst der Boden dünn.
- Nichts davon funktioniert ohne Luftwechsel. Dämmung bremst Wärmeverlust; die Feuchtigkeit aus deinem Atem stoppt sie nicht. Die Kondensat-Hälfte des Problems ist Belüftung — bemessen im EN-721-Ratgeber.
Erst planen, dann kleben
Der Planer hat eine Dämmstärken-Einstellung, die den nutzbaren Innenraum an allen Wänden gleichzeitig schrumpft — stell 25 mm ein und sieh nach, ob Bett, Küche und Gang noch passen, bevor irgendetwas geschnitten oder geklebt ist. Es ist der billigste Dämmfehler, den du je machen wirst. Such deinen Van aus und probier es.